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Skulptur "Schwingende"

Eintrag gefunden unter: Kunsthandlungen Bonn
Konviktstr. 4
53113 Bonn, Zentrum
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Kulturbeauftragte

, 03.05.2021 golocal

„Meinen Rundgang durch Bonn möchte ich nur wenige Schritte von der zuvor beschriebenen Skulptur fortfahren. Wendet man sich vom „Beethoven“ nach links, dann steht ein weiteres modernes und wie man sehen kann, abstraktes Kunstwerk, das von Lajos Barta aufgestellt worden ist. Wie ich bei meinen Recherchen herausgefunden habe, ist es ein von mehreren, die in NRW im öffentlichem Raum zu finden ist. Der 1899 in Budapest geborene Bildhauer war einer, der als er am 8. Mai 1986 in Köln gestorben ist, auf ein sehr bewegtes Leben zurückblicken konnte! Je nach dem, welchen Teil man davon betrachtet, wurde er entweder sehr geschätzt oder geradezu verachtet! Mehrmals innerhalb dieser Spanne war es für ihn notwendig gewesen, dass Bata den Wohn- und / oder Arbeitsort gewechselt hatte. Trotz dieser Tatsache hieß es an mehren Stellen übereinstimmend, dass es ihm zeitlebens wichtig war, eine enge Bindung zu seiner Geburtsstadt gepflegt hatte. Ob sich dort an der (sehr negativen) Einstellung, dass sein Werk weiterhin als zu „avantgardistisch“ angesehen wurde, sich etwas (ggf. erneut in diese Richtung tendiert) geändert hatte, konnte ich keine Verweise finden. Dadurch eine (sehr kurze) Straße nach Lajos Barta benannt wurde, deute ich jedenfalls als „Annäherung“ an diesen berühmten Sohn der ungarischen Hauptstadt.

Wenn man auf ein fast 90 jähriges Leben geführt hatte und dieses an so sehr unterschiedliche (heutige) Länder dabei aus engster Nähe erlebt hatte, kann man schon davon ausgehen, dass es sich um einen Kosmopoliten geahndet hatte! Während seiner Lehr- und Wanderzeit gehörten sie zum habsburgischem Vielvölkerstadt an. Darüber hinaus aber auch Italien und Frankreich. Zu dem Zeitpunkt war es aber nicht ersichtlich gewesen, dass es bei dem letztgenannten, nicht bei dem einen mal bleiben wird! Unter anderen haben die wechselnden politischen Strömungen mehrmals dazu geführt, der Lebensmittelpunkt sich dementsprechend denen „angepasst“ werden musste.

Schon früh wird das Talent von Lajos erkannt und gefördert. Erst nach einer längeren Suche habe ich herausgefunden, dass seine Werke erst nach der Rückkehr nach Budapest 1927 abstrakt geworden ist. Die beiden Weltkriege haben ihn auf unterschiedliche Art und Weise „geformt“ – beim ersten erfolgte die Ausbildung und beim 2. hat er deine „Formensprache“ gefunden. Erwähnenswert finde ich, dass er selbst zu einem „Impulsgeber“ wurde. Hierbei ist ein weiterer „Bruch“ erkennbar. Zwei Gründe führten ihn ins Pariser Exil: es heißt, dass 1938 aufgrund seiner religiöser Zugehörigkeit zum Judentum zur einer „unerwünschten“ Person erklärt wurde. Warum das zu einem so frühem Zeitpunk geschehen ist, das entzieht sich meiner Kenntnis. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in einigen Ländern noch heute ein Grund für Repressalien und mehr. In der besagten Ära bedeutete es mitunter eine Frage von Leben oder Tod. Mit dem vorher erwähnten Hintergrund also richtig problematisch. Welche unter ihnen „ausschlaggebendere“ für die Auswanderung gewesen ist, möchte ich an der Stelle nicht urteilen. Jedenfalls seit 1932 war Barta mit dem Maler Endre Rozsda liiert.

Zusammen haben sie bis 43 in Paris ein Atelier geführt. Durch diese Tätigkeit kamen sie mit der Gruppe „Abstraction-Création“ in Kontakt. Durch diese lernten sie mit der damals aufkommenden surrealistischen Strömung kennen, die sie gleichzeitig stark inspiriert hatte. Danach sollte sich das wiederholen, was zu deren Flucht nach Frankreich geführt hatte, denn erneut sollte ein weiterer Aufenthalt mit Repressalien verbunden sein! Was mich aus heutiger Sicht aber sprachlos macht, warum er ausgerechnet sich Budapest begeben hatte! An mehreren Stellen hieß es, dass es ihm „befohlen“ wurde. Dort wurde er auch bald aufgegriffen und sollte eigentlich spätestens in Auschwitz (nach einem entsprechend langem „Todesmarsch“) – wie viele tausend zuvor, „ableben“. Dennoch konnte er während dessen fliehen und sich bis zum Ende des Krieges „Unterschlüpfen“.

Man kann es als enge Verbundenheit mit dem eigenen Geburtsland bezeichnen, weil sowohl Barta, als auch Rozsda sich dafür eingesetzt haben, dass es eine „Fortführung“ der modernen Kunstströmungen geben sollte. Sie waren die berühmtesten Vertreter der abstrakten Moderne in Ungarn. Mit ihrer „europäischen Schule“ haben sie sich an internationalen Wettbewerben beteiligt. Angedacht war darüber hinaus ein Austausch mit den Kollegen aus dem Westen. Wie in den meisten kommunistischen Ländern war bis zur Wende nur das „angesagt“, was der „politischen Propaganda“ entsprochen hatte! „Avantgarde“ war verpönt, sodass es bald nicht nur zu einem Bruch mit den Machthabern gekommen ist! In Verbindung mit den (unerwünschten) Auslandskontakten führte zu einem gewissen Eklat! Da verwundert es nicht, dass ohne offizielle Aufträge von dieser Stelle, das auch sehr negative Folgen auf die finanzielle Lage gehabt hatte. Übereinstimmend kann man sagen, dass diese Situation von ihnen als „Existenzbedrohend“ angesehen wurde. Erst in 1960-er Jahren wurden 4 Entwürfe von Barta sowohl angenommen als auch ausgeführt. Sein Partner indes fühlte sich nicht in der „Lage“ sich den gestellten Anforderungen zu „beugen“. So suchte Rozsda eine „Nische“ – Privataufträge und als Buchillustrator. Vergleicht man dennoch ihre Biografien, so stellt man fest, dass ab 1955/56 getrennte Wege: ab diesem Zeitpunkt lebt R. erneut in Paris. Seine Werke bilden – wie ich mitbekommen habe, einen „Grundstein“ vom „Centre Pompidou“.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, (wie einige einheimische Ungarn mir bestätigt haben), dass eine „Konstante“ bei ihnen die Ungewissheit / Unvorhersehbarkeit sei! Auf Zeiten der Lockerungen, folgten welche, bei denen um so strenger ge- und verurteilt wurde. Eine solche „Klatsche“ nach einer Ausstellung 1965 dazu, dass Barta sich dauerhaft in Deutschland niederließ. Das heutige Museum Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen diente ihm bis 67 sowohl als Ausstellungsfläche und gleichzeitig seine Unterkunft in der Zeit. Die letzten 20 Jahren verbrachte er (bis auf einige Auslandsaufenthalte) in Köln, wo er auch starb. Die Kunstwerke im öffentlichem Raum, die ich erwähnt habe, wurden vor allem in den 1970-er Jahren geschaffen. Diese kann man in Remagen, Köln, Bonn, Wuppertal, Siegen und Mülheim an der Ruhr finden.

Wenden wir uns nun der Skulptur selbst, die den „Ausgangspunkt“ eigentlich bildet ;-)! Die Hintergrundgeschichte ist eine ganz besondere: auf einer der Plaketten, die auf den Sockel angebracht wurden, stellt es in ein historisches Kontext dar. Die „Schwingende“, wie die Skulptur heißt, dar. Es ist ein Mahnmal, auch wenn es für den Betrachter gar nicht ersichtlich ist! Ursprünglich sollte es „Angst“ heißen aber als es 1971 nach einer vorherigen Ausschreibung aufgestellt wurde, entschied man sich dagegen. Dieses Werk hat einen biografischen Beweggrund: 15 Jahre zuvor fand der so genannte „Ungarischer Volksaufstand“ statt, der auf brutale Art und Weise niedergeschlagen wurde. Viele seiner Weggefährten waren davon betroffen gewesen. Der ehemalige Titel soll auch verdeutlichen, welche Auswirkungen es auf die Menschen gehabt hatte, die sich dazu entschlossen (eher im Verborgenen) sich mit den Gegebenheiten zu „arrangieren“. Dennoch wurden die Maßnahmen der Regierung als „Terror“ wahrgenommen… Unter den (damals ‚frischen‘) Eindruck entstanden 6 Zeichnungen, von denen nur diese in Bronze ausgeführt wurde. Die anderen wurden als „Neugierige, Spion, Kraft, Geheimnis und Verhandlungen des Muttermörders“ bezeichnet.

Ein Künstler, der seine Phantasie nur im Geheimen ausüben konnte, muss sich seine Wege suchen, wie die schlechten Erfahrungen „verarbeitet“ werden können. Bei Lajos waren es eben erwähnte Zeichnungen gewesen: es handelte sich um die Festnahme und die Verhöre der Geheimpolizei bei Endre Rozsda! Gleichzeitig ist es seine eigene Auseinandersetzung mit der „Leugnung“ des künstlerischen „Irrwegs“ mit den sozialistischen Auftragsarbeiten nach dem Aufstand. Von Anfang an ist diese über zwei Meter hohe Skulptur im Bonner Hofgarten zu finden. Gestiftet wurde sie (von der mir unbekannten) Clemens-August-Kaiser-Stiftung erworben und aufgestellt. Nach dem Mauerfall gab es an der Stelle ein offizielles Treffen gegeben, das von der ungarischen Botschaft organisiert worden war, bei dem der Opfer gedacht wurde. Bei dieser Gelegenheit wurden aus diesem Grund Kränze niedergelegt.

Für gewöhnlich bin ich kein Fan von moderner und erst gar nicht von welcher, die wie diese sich so abstrakt darstellt wie diese. Vor Ort konnte ich nicht mal erkennen, welchen Hintergrund es überhaupt besitzt! Für mich sah es eher nach einem Fragezeichen aus, das ein wenig „verfremdet“ wurde. Schade finde ich dennoch, dass im Gegensatz zum am Anfang erwähnten Beethoven diese nicht auf einer Grünfläche zu finden ist, sondern ein wenig „zugewuchert“ unter einem Strauch platziert wurde… Aufgrund des hier recherchierten Kontext finde ich 4 Sterne für angemessen.

Als grobe Orientierung können einem die Hinweisschilder Richtung Universität / Hofgarten und Stadtmuseum dienen. Für Navibesitzer (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man diesen überhaupt befahren kann) ist die Zielangabe "Regina-Pacis-Weg, 53113 Bonn", das sich auf der anderen Seite der Grünanlage befindet, bestens geeignet. Von der U HS Universität / Markt sind es nur wenige Gehminuten Entfernung.
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