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Nocolina
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16.06.2025
golocal
„Nippon in der Tasche, eßbar
Ja klar, Schoki-Puffreis - das denken sicherlich viele, denn die Süßigkeit gibt es schließlich seit siebzig Jahren. A…ber diese ungesunde deutsche Erfindung ist nicht gemeint, sondern der traditionelle japanische Reishappen, der null Zucker und minimal Fett enthält. Die einzige Gemeinsamkeit ist der Reis - vielleicht auch das Suchtpotenzial, wenn man es einmal probiert hat. Was beide Reissnacks noch unterscheidet, ist ihre Bekanntheit: der Kalorienbomben-Riegel ist eine Top-Marke, das kalorienarme Dreieck ein Exot auf dem hiesigen Lebensmittelmarkt.
In Japan und seinen Nachbarländern zählt Onigiri zu den beliebtesten Snacks. Reisbällchen mit Füllung, Topping oder Umhüllung gibt es dort seit hunderten von Jahren. Die gängige Form ist das in dunkelgrüne Nori-Algen gehüllte Dreieck. Zu einem Verkaufsschlager entwickelten sich die Onigiri seit der maschinellen Fertigung in den 1980ern und der Verbreitung der rund um die Uhr geöffneten "Kombini"-Lädchen, den Convenience Stores.
Es gab nur ein Problem: Der feuchte Reis machte das knusprige Algenblatt matschig und die Hände klebrig. Doch im Land der Tüftler und Perfektionisten wurde schnell eine pfiffige Lösung erfunden: zwei Schichten Plastikfolie mit einem Zipfel oben am Dreieck, und ritschratsch-zackzack hat man das knusprige Nori-Blatt um den Reis geklappt.
Zwei junge Berliner waren auf ihren Asienreisen so sehr von den Reis-Snacks und ihrer Geschmacksvielfalt angetan, daß sie beschlossen, dieses Nippon-Fastfood nach Deutschland zu bringen. 2011 begann Rice up mit einem Verkaufskiosk auf dem Bahnsteig der Station Schönleinstraße in Kreuzkölln - dem Einfallstor zum beliebten Markt am Maybachufer.
Dort lernte ich die Onigiri made in Berlin kennen und lieben. Fast alle Sorten probierte ich durch: Fisch, Fleisch, Ei, eingelegtes Gemüse und natürlich Umeboshi, die süßsaure Salzpflaume. Fantastisch, ich fühlte mich wie beim Kirschblüten-Picknick in Kyoto!
Leider eine Illusion, es war nur Berlin, alles andere als romantisch da unten an der U8, deren südlicher Abschnitt zusehends verwahrloste. Nach ein paar Jahren war der Kiosk zu, und ich hatte Rice Up völlig vergessen. Bis kürzlich. Da entdeckte ich, daß die Firma keineswegs untergegangen ist, ganz im Gegenteil. Die Fertigung und Verwaltung ist Neukölln treu geblieben, und mittlerweile werden die Onigiri an Bio-Supermärkte in ganz Deutschland geliefert. Wer diese Köstlichkeit probieren will, muß also nicht mal nach Berlin, geschweige denn nach Fernost reisen.
Die Füllungen der Rice-Up-Snacks werden aus regionalen Zutaten hergestellt, die meisten sind vegetarisch/vegan. Acht Varianten sind derzeit im Angebot. Meine Lieblingssorte Umeboshi ist zwar nicht mehr dabei, aber Lachs mit scharfer Pflaume ist eine gute Alternative. Kürbis und Sesam bilden ein leckeres Duo, und Kimchi ist sowieso ein asiatisches Flavour-Fav.
Erstaunlicherweise sind die Reisbällchen seit ihrer Erstauflage nicht viel teurer geworden. Heute kostet ein Päckchen 3,30. Ein Stück ist eine prima Zwischenmahlzeit, zwei Stück machen ziemlich satt. Kleiner Hunger - Burger, Döner? Lieber Onigiri! Ein riesiger Vorteil ist die Transportfähigkeit: gekühlt sind sie fünf Tage haltbar, aber ein paar Stunden ohne Kühlung machen ihnen nichts aus - der perfekte Proviant für einen Sommerausflug! Nippon in der Tasche...”
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